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Meikes Bericht über ihren Aufenthalt in unserer Schule im Herbst 2013


Im Oktober 2013 waren Meike und Max in umserer Schule in Nakaseke. Max schildert seine Eindrücke auf der entsprechenden Seite
(siehe links in der Navigation).

 

Meike schreibt:   1. Mail

Hallo ihr Lieben,
ich hab eine Idee (auch wenn ich nicht genau weiß, ob sie funktioniert). An den Fragen, die ihr mir stellt, wird mir bewusst, dass ich manche Sachen nicht genau oder gar nicht beschreibe, weil sie hier für mich so selbstverständlich geworden sind. Die nächste E-mail wird also ein bisschen anders, ihr könnt mich in den nächsten 2 Wochen mit Fragen bombardieren und ich antworte in einer Email darauf.

 

Mittlerweile ist hier ein bisschen Alltag eingekehrt, was für mich so viel heißt, wie das der Satz „Ich bin in Afrika“ nicht mehr völlig unreal und komisch in meinem Kopf klingt. Max und ich kriegen jetzt so einiges selber auf die Reihe, vor allem was unsere Fortbewegung angeht. Wir können jetzt selbstständig von Nakaseke nach Kampala oder Gayaza fahren und auch wieder zurück. Ich habe mit der Zeit sogar ein bisschen Orientierung in Kampala bekommen, sodass wir auch gut zu Fuß unterwegs sind.

 

 

Als wir letzte Woche von Stephen (Gayaza) nach Nakaseke fahren wollten, hat das allerdings weniger gut geklappt. Wir sind morgens um 8 Uhr gestartet, weil Max um 11 Uhr eine Mathestunde in der P3 hatte. Also erst mit Boda von Stephen zu der nächst größeren Straße, an der man ein Taxi nehmen kann. Vom Taxi aus, dann wieder in ein anderes Taxi, um zu einem großen Kreisverkehr zu fahren an dem die Taxis zur Schule abfahren. Da wir noch etwas unsicher waren, haben wir nachgefragt, ob dort die Taxis nach Nakaseke abfahren. Die hilfsbreiten Menschen im Taxi haben uns allerdings gesagt, dass wir am falschen sind (eigentlich am richtigen Ort, aber gleich dazu mehr) und uns mit Boda zu dem „Nakaseke Taxipark“ gelotst.

Froh endlich am richtigen Ort zu sein, sind Max und ich eingestiegen und haben uns gewundert, warum die Straße nach Nakaseke auf einmal so gut ausgebaut ist und warum uns nach 2 Stunden Fahrt immer noch nichts bekannt vorkommt. Nach einiger Zeit hält das Taxi dann und alle müssen aussteigen, inklusive uns, obwohl wir keinen blassen Schimmer hatten, wo wir überhaupt sind. Also Stephen im Büro anrufen und ihn mit den Taxifahrern vor Ort absprechen lassen, was als nächstes zu tun ist. (Dass das mit der Mathestunde von Max nichts werden würde, war zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall klar.) Das Taxi in dem wir anschließend saßen war natürlich völlig überfüllt, und ich war froh, dass wir vorne saßen, bis ein Mann neben mir einsteigt, mich anlächelt und sagt: „Thats Africa!“. Ich war bis zu dem Zeitpunkt eigentlich davon ausgegangen, dass er der Fahrer ist, der ist aber anschließend erst dazu gekommen. Es war so eng, dass der Fahrer zwischen den Beinen des Mannes schalten musste; wäre mir ja irgendwie unangenehm gewesen, aber „Thats Africa!“. Im Taxi hat uns dann William angerufen, der schon von unserem Missgeschick mitbekommen hatte, um uns zu sagen, dass er uns abholt … puuh!

 

Ich war erst schockiert, dass er mit Boda gekommen ist, weil Max und ich unsere großen Reisetaschen dabei hatten und anschließend verwundert, dass wir alles transportieren konnten. Es ist immer wieder erstaunlich, was die Ugander mit einem kleinen Motorrad transportieren können; letztens habe ich gesehen wie einer Sofa und Sessel gleichzeitig transportiert hat.

 

Noch weniger begeistert waren wir allerdings, als auf dem Weg zur Schule plötzlich ein „Tsssssss“ zu hören ist und feststeht, dass wir eine Reifenpanne haben. Also mussten wir auf irgendwelche Menschen warten, die William angerufen hat, um den Reifen zu reparieren und hatten Glück, dass nach einiger Zeit ein Freund von William vorbeigekommen ist, der uns dann zur Schule gebracht hat.

 

An diesem Montag haben wir 8 Fahrzeuge genutzt, 18.000 Schilling bezahlt und über 6 Stunden gebraucht; zum Vergleich vorgestern haben wir 5 Fahrzeuge benutzt, 10.000 Schilling bezahlt und nur 2,5 Stunden gebraucht. Unser Fehler war zu sagen, dass wir nach Nakaseke wollten, weil der District so groß ist, das wir ins Zentrum gefahren sind. Die Schule liegt allerdings eher am Rand des Districts und dadurch haben wir einen ziemlich großen Umweg gemacht (den ich aber nur schwer auf meiner Karte nachvollziehen konnte).

So blöd die Woche angefangen hatte, ging sie für mich auch weiter. Als wir zurückkamen (das Haus war ungefähr 2 Wochen nicht bewohnt), fanden wir tausend tote Insekten auf dem Boden, das war kein schöner Anblick. Im Laufe der Woche haben wir dann immer mehr Mängel festgestellt in Form von Insektennestern in der Wand und Schimmel überall. Hatte in der Woche das erste Mal richtig Heimweh und wollte nichts mehr, als mein eigenes Bett!

 

Habe mich mittlerweile aber damit abgefunden (es war glaub ich nur der Schock) und denke, dass ich mit viel lüften dagegen ankämpfen kann. Es geht mir also wieder gut !!!!! (nur damit ihr euch keine Sorgen macht!!)

 

Das Wochenende nach besagter Woche hat mir richtig gut getan, waren viel in Kampala und mit Robert unterwegs. Am Samstag waren Max und ich ein paar Sachen in Kampala erledigt, was im Klartext hieß: Viel Geld für Essen ausgeben (in der Schule haben wir so gut wie keine Ausgaben, deswegen können wir das ganz beruhigt machen) und ein bisschen die Seele baumeln lassen. (So sieht eigentlich immer unser Wochenende aus).

 

Am Sonntag war das Kampala City Festival in der Stadt (ich weiß nicht zu welchem Anlass). Ein Teil der Innenstadt war abgesperrt und nur für Fußgänger erlaubt, schön Kampala mal ohne Autos zu erleben. Am Straßenrand waren überall kleinere Gruppen die getanzt haben, laute Musik… Haben bei einer kleinen Tanzshow zugeguckt und waren anschließend bei einer Akrobatengruppe. Anschließend sind wir zu so einer Art Konzert gegangen, da war echt viel los. Wir haben getanzt und nachher gab es sogar noch ein Feuerwerk (ich glaub ich hab mich selten so über ein Feuerwerk gefreut).

 

Heute waren wir zum Unabhängigkeitstag in Kampala, weil Robert meinte, dass in der ganzen Stadt Programm ist, was sich allerdings als Irrtum herausstellt; Kampala war wie immer. Eigentlich wollten wir zu einer Ausstellung, aber es war schon relativ spät und wir hätten kein Taxi zurück zur Schule bekommen, sodass wir uns die Ausstellung am Wochenende angucken.

 

 

Zum Kindergarten: Im Moment habe ich eher noch eine beobachtende Rolle und habe mir angeguckt, wie der Ablauf im Kindergarten überhaupt so aussieht. Habe mit den beiden Lehrerinnen abgesprochen, dass ich ab nächster Woche dann auch mit Unterricht anfangen kann. Ich werde wahrscheinlich 2 Stunden „Numbers“ in der Woche machen (Mathe kann man das noch nicht nennen bei den Kleinen), eine Stunde in der „Middle-class“ und eine Stunde in der „Top-class“. Ansonsten haben wir uns darauf geeinigt, dass ich „Freizeit-Gestaltung“ vor allem in der „Baby-class“ mache.

 

Im Moment sieht die Situation im Kindergarten folgendermaßen aus: Unterricht ist eigentlich geplant von 8-10 (zwei Einheiten) und von 11-12.30 (zwei Einheiten). Da es aber nur 2 Lehrerinnen gibt, kann der Plan nicht eingehalten werden, sodass die Kinder (vor allem die Baby-class) eine ganze Zeit lang unbeschäftigt sind und sie dementsprechend Blödsinn machen, weil sie sich langweilen. Ich finde schade, dass gar keine Zeit zum Spielen vorgesehen ist, stattdessen nur Unterricht und Stillsitzen.

Ich möchte die freie Zeit der Kinder gerne irgendwie füllen, mit basteln, malen, lesen oder draußen spielen. Ich denke, dass ich in den nächsten Wochen ganz viel Materialien von den Spenden kaufen werde die zusammengekommen sind (danke nochmal!)

Eigentlich würde ich gerne so eine Art Freiarbeit aufbauen, also ein Tisch mit Puzzlen, einen mit Bastelmaterialien und Buntstiften, einen mit Büchern… Das Problem ist, dass ich bei so vielen Materialien den Überblick verlieren und viele Sachen schnell kaputt gehen würden, oder einfach verschwunden sind. Nicht aus Boßhaftigkeit der Kinder, aber ich glaube, dass sie nicht besonders verantwortungsvoll mit den Sachen umgehen können (kann man vielleicht auch nicht von 3-4-jährigen erwarten). Das heißt, dass ich immer nur einzelne Materialien mitbringen werde, um zu gucken, wie das Ganze überhaupt ablaufen kann. Schade finde ich dabei, dass die Kinder nicht frei entscheiden können, sondern alle 15 Kinder die gleiche Tätigkeit machen müssen, die ich für sie aussuche. Wir werden sich sehen, wie sich meine Pläne dann in den nächsten Wochen entwickeln.

 

18.09.2013

am Sonntag haben wir mit Stephen zusammen Maren und Rita in Kampala abgeholt. Maren war 2008 für 9 Monate in Uganda, hat in Kampala im Krankenhaus gearbeitet und während der Zeit bei Stephen gewohnt. Die beiden sind jetzt für 2 Wochen in Uganda zum Urlaub machen und da sich die Kosten verringern, wenn man mit mehreren Leuten ist (Sprit macht den größten Teil aus), werden wir ein bisschen mit den beiden rumreisen.

Montag waren wir am National Theatre und haben bei der „Jam Session“ zugeguckt, also einfach ein paar ugandischen Musikern und spontanen Tanzauftritten des Publikums. Haben dort ungewöhnlich viele Weise gesehen, die auch in unserem Alter sein könnten.

Dienstag sind wir dann zur Schule gefahren und wurden offiziell willkommen geheißen von den Kindern und den Lehrern. Einige der Kinder haben getanzt und gesungen (einfach unglaublich was die mit Trommeln und ihren Stimmen für eine Akustik haben), die Lehrer haben sich vorgestellt und es wurden kleine Empfangsreden gehalten, wobei ihr euch jetzt nicht zu viel darunter vorstellen dürft.

Heute war dann mein erster „Arbeitstag“. Halb 7 aufstehen. Frühstücken und dann ab zum Kindergarten. Um 7.20 fangen die Kinder mit ein wenig „Wach-mach-Sport“ an, das war witzig.

Habe dann heute bei dem Unterricht zugeguckt, der relativ chaotisch war, weil es nur 2 Lehrerinnen für 3 Klassen gibt. In 2 Klassen hat also immer Unterricht stattgefunden, die dritte Klasse hat „geschlafen“ und Blödsinn gemacht; auf mich hören die Kiddies nicht. (Das kommt hoffentlich noch.) Da muss ich mir auf jeden Fall noch eine Menge einfallen lassen, um die Kinder zu beschäftigen, damit deren Hauptspaß nicht ist, mir die Kreide zu klauen.

Am Wochenende fahren wir mit Maren, Rita und Stephen nach Jinja, eine kleine Stadt am Nil, Wasserfälle gucken und so was. Außerdem geht’s nächste Woche dann noch in den Queen Elizabeth Nationalpark, die Arbeit hat also kaum angefangen und der erste Urlaub steht vor der Tür.

 

                                                                                                                                 25.09.2013

So die lange und aufregende Reise liegt jetzt hinter uns, ich bin glaube ich selten so viel Auto gefahren in 4 Tagen.

Wie gesagt, am Samstag sind wir in Jinja gewesen (zwischenzeitlich war auch mal geplant, dass wir eine Nacht dort übernachten, aber da haben wir uns dann doch gegen entschieden). Zuerst sind wir zu den T… Wasserfällen gefahren, unglaublich welche Wassermassen dort fließen. Schwer zu beschreiben, aber auch kaum auf einem Foto festzuhalten.

Danach ging es dann zur Nilquelle, bevor wir dahin gefahren sind, wusste ich ehrlich gesagt gar nicht, dass der Nil in Uganda entspringt, aber als wir am Viktoriasee standen und auf eine bestimmte Stelle im Wasser geguckt haben, war das schon irgendwie beeindruckend.

Anschließend sind wir zu meinem jetzigen Lieblingsort gefahren, den kannte Stephen vor unserem Besuch glaube ich auch noch nicht, ein Ort wie im Paradies. Hier gab es einen Bilderbuchwasserfall (die T… Wasserfälle waren eher ein reißender Fluss) eingebettet in eine Landschaft mit kleinen Bächen. Wir haben ein bisschen die Gegend erkundet und sind dort hochgeklettert, wo der Wasserfall beginnt, einfach traumhaft!

Am Sonntag haben wir uns dann mit Maren und Rita in Kampala getroffen, ein bisschen die Seele baumeln lassen. Max und ich sind mit dem Taxi hingefahren und ich bin dabei fast beklaut worden. Ich saß ganz hinten im Taxi auf dem letzten Platz am Fenster und habe Musik gehört. Weil die Straßen (wie immer) völlig verstopft waren, standen wir im Stau. Plötzlich hat eine Hand von draußen mit ziemlicher Kraft nach meinem Handy gegriffen, aber ich konnte es zum Glück festhalten, sodass der Typ mit leeren Händen wieder abgehauen ist. Irgendwie immer noch gruselig, wenn ich daran denke, aber vielleicht nicht schlecht als Warnschuss für mich, um besser auf meine Sachen aufzupassen.

In Kampala haben wir erst richtig lecker beim Inder gegessen, wir waren alle pappsatt und konnten uns danach kaum noch bewegen, deswegen tat die kleine Salsatanzstunde am National Theatre dann ganz gut. Dort war das ganze Wochenende über ein kleines Festival mit den verschiedensten Künstlern und Workshops. Da am Sonntag ja die Wahl war, sind wir anschließend zum Goethe Institut gelaufen und haben uns live auf ZDF die aktuellsten Wahlergebnisse zeigen lassen. Um halb 11 war dann leider Schluss und wir mussten ohne etwas zu wissen wieder nach Hause fahren.

 

 

Am Montagmorgen ging es dann ziemlich früh auf zu unserem zweiten geplanten Trip, für diese Woche. Erster Halt war der Äquator, über den wir dann einige Schritte gelaufen sind.

Danach sind wir dann zum Lake Mburo gefahren und vorher durch den dazugehörigen Nationalpark, der dafür bekannt ist, dass es dort viele Zebras zu sehen gibt. Wir haben auch tatsächlich so einiges an Tieren gesehen und nach einer kleinen Reifenpanne ging es dann weiter zum Queen Elizabeth Nationalpark.

 

 

Im Queen Elizabeth Nationalpark haben wir dann eine Bootstour gemacht, bei der wir unzählig viele Büffel, Hippos und Vögel gesehen haben und sind abends hundemüde ins Bett gefallen, um am nächsten morgen pünklich wieder aufzustehen, um auf Löwenjagd zu gehen. Leider war das Wetter Dienstagmorgen total verregnet und wir hatten total Pech mit den Tieren. Anfangs haben wir fast gar keine Tiere gesehen (vereinzelte Büffel und eine bestimmte Antilopenart), gegen Mittag dann immerhin einen Elefanten und drei Hyänen, die grade ein anderes Tier verspeist haben. Aber Löwen konnten wir keine entdecken, sodass wir dann gegen Mittag weiter zum Lake Bunyonyi gefahren sind, der ganz an der Grenze zu Ruanda liegt. Schon auf der Hinfahrt gab es viel zu sehen, denn die Landschaft im Süd-Westen Ugandas ist richtig schön, sehr bergig und überall grün!

 

 

Ich mach das ganze jetzt mal in Kurzform, weil ich erstens nicht mehr so viel Lust hab zu schreiben und weil zweitens die Email schon viel zu lang ist ;)
Haben den Abend am Lake Bunyonyi mit 4 Engländern verbracht, die grade auf einer 6-monatigen Tour von London nach Kapstadt sind, das war echt witzig! Alle 4 waren richtig gut drauf, wie haben viel gelacht und getanzt und die anderen waren sogar noch nachts im See schwimmen. Am nächsten Morgen sind wir dann noch ein bisschen am See „gewandert“ und die „Berge“ hochgeklettert, wobei wir eine schöne Aussicht auf den See bekommen haben, wenn wir nicht angestrengt darauf achten mussten nicht hinzufallen (hat bei mir natürlich nicht geklappt).

 

                                                                                                                                 29.Sep.2013

Dieses Wochenende waren wir dann mit Maren und Rita in Kampala feiern, das hat sich auf jeden Fall gelohnt !! Haben nicht viel Schlaf bekommen, aber jede Menge Spaß gehabt und ich bin richtig traurig, dass Maren und Rita heute Nacht zurück nach Deutschland fahren :(

Für uns geht es gleich auch wieder nach Nakaseke und dann fängt am Montag die nächste Schulwoche wieder an und unser „richtig Arbeitsleben“

 

Donnerstag, 10.10.2013

 

Wollte heute im Kindergarten mit den Kindern malen und ihnen die Sticker und Stempel zeigen (die ich in Zukunft als positive Verstärker nutzen möchte). Zum Malen sind wir gar nicht gekommen, weil der freie Zeitraum der Baby-class nicht zusammenhängend ist, sondern unterteilt, sodass ich nie weiß, ob es sich lohnt meine Malsachen auszupacken oder nicht.

Bin nach der Frühstückspause mit meinen Stempeln zum Kindergarten gekommen, sodass natürlich alle wissen wollten was ich mitgebracht habe. Innerhalb kürzester Zeit war ich von zahlreichen Kindern an dem kleinen Pult umringt und jeder wollte einmal stempeln. Als der Unterricht anfing hatte ich, wie erwartet nur noch 2 Stempel, weil alle anderen Stempel in den Taschen und Händen der Kinder gelangt waren. Habe den Bogen noch nicht so raus, wie ich den Kiddies vermitteln kann, dass ich keine Materialien mehr mitbringen werde, wenn sie sie mir wegnehmen.

 

Freitag,11.Oktober.2013

 

Heute sind wir im Kindergarten dann doch noch zum Malen gekommen. Habe 2 Tischgruppen gemacht mit jeweils 5-6 Kindern und auf jeden Tisch ein Stifteset von 12 Stiften gelegt. Hat natürlich auch nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte oder wie man es aus dem deutschen Kindergarten kennt. Alle Kinder greifen gleichzeitig nach den Stiften und versuchen möglichst viele für sich zu gewinnen („schwache“ Kinder gehen dabei teilweise auch leer aus). Wer einmal einen Stift ergattert hat, gibt ihn so schnell auch nicht wieder her. Ein „gemeinsames“ Malen ist also nicht möglich und die Kinder streiten sich mehr, als dass sie malen. Wirklich malen kann man das auch nicht nennen, sondern eher „wie kriege ich mein Blatt schnellstmöglich komplett ausgemalt“ (innerhalb 2 Minuten war der erste Stift vollkommen abgenutzt und ich hatte leider keinen Anspitzer dabei ;) ).

Habe nachher auch noch mit der Middle-class draußen mit dem Fallschirm gespielt, das war echt lustig, auch wenn das alles ziemlich grob abläuft und die Kinder sich nicht davon abhalten lassen sich zu prügeln.

 

Soo das war schon wieder viel mehr Text als ich wollte, ganz liebe Grüße aus Uganda!

 

PS: Denkt an die Fragen ;)

 

2. Mail

Hallo ihr Lieben,

 

schon wieder ist eine Schulwoche um und Max und ich sitzen mal wieder im Cafe in Kampala um schnelles Internet zu genießen.

 

Am Dienstag war ein Public Holiday in der Schule, ein muslimischer Feiertag, dessen Sinn ich nicht ganz begriffen habe. Sind am Dienstagmorgen dann mit William und einigen von den älteren Kindern zu einer Frau gefahren, die wir die Woche davor schon mal besucht hatten. Wir haben so einiges an Gartengeräten mit im Schlepptau gehabt, weil die Frau blind ist und (wie William es ausgedrückt hat) im Busch lebt. Sie lebt in einer kleinen Hütte, die ihre Eltern schon gebaut haben (dementsprechend nicht in besonders gutem Zustand) und hat 3 Kinder zu Hause. Die älteste Tocher hilft ihr im Haushalt, bei allen Sachen, die sie nicht alleine bewältigen kann, Moses ist 2 Jahre alt und kommt nächstes Jahr in den Kindergarten und zusätzlich hat sich noch ein Neugeborenes von 2 Monaten. Ihr viertes Kind geht bereits bei uns in den Kindergarten und ist eins der Boarding-Kids (Kinder die in der Schule übernachten).

Haben ungefähr 2 Stunden den Garten aufgeräumt und sind dann zurück zur Schule gefahren.

 

   

 

Mittags standen auf einmal 4 Kinder aus dem Kindergarten vor unserer Tür: „Können wir für euch tanzen?“ Und Zack hatten wir unsere ganz persönliche Tanzaufführung, die von vorsichtigen Stimmen der beiden Mädels begleitet wurde, das war echt niedlich!!

 

Ansonsten ist diese Woche nichts Besonderes vorgefallen, aber nächste Woche sind die Mid-term-exams. Die Exams werden von der Regierung gestellt, haben aber soweit ich weiß keinen Einfluss auf die Versetzung (die versetzungsrelevante Arbeit kommt erst am Ende des Schuljahres). Ich bin mal gespannt wie die Aufgaben für die Kindergartenkinder aussehen werden, kann mir gar nicht vorstellen, dass sie alleine in der Lage sind die Aufgaben zu bewältigen.

Habe jetzt angefangen die weiße Masai zu lesen, absolut beeindruckendes Buch, also wer es noch nicht gelesen hat, ein guter Buchtipp. Ich finde man bekommt einen guten Eindruck von Afrika, aber vielleicht kann ich mir das auch nur so gut vorstellen, weil ich selber hier bin.

 

26.10.2013

 

Die mid-term-exams sind jetzt alle geschrieben und wie erwartet konnten die Kinder der Baby-class die Aufgaben nicht alleine lösen, also haben wir ihnen dabei geholfen. Wenn ich die Lehrerin richtig verstanden habe, dann waren diese Arbeiten dafür, um sich einen Überblick zu verschaffen, auf welchen Stand die Kinder sind und welche eventuell noch eine besondere Förderung brauchen.

Ansonsten ist diese Woche nichts Außergewöhnliches vorgefallen, aber so langsam gewöhnen sich die Kinder an mich und akzeptieren mich ein bisschen mehr, das ist gut!

 

Hier einmal ein typischer Wochenablauf für euch:

 

Montag: Montagmorgens sind wir noch bei Stephen und stehen relativ früh auf (7.00 h), um rechtzeitig zu Max Unterricht an der Schule zu sein. Ich geh dann meistens nach der Pause in den Kindergarten (11.00 h). Montagnachmittags ist normalerweise kein Programm

 

Dienstag: 6.30 aufstehen, um pünktlich um 7.20 am Kindergarten zu sein. Eigentlich habe ich um 10 Uhr eine Stunde Pause, aber da ich noch beim Porridge ausschenken helfe (Haferbrei-/schleim), gehe ich erst um halb 11.
Dienstagnachmittags haben wir dann Sport mit der P3 und der P4. Max spielt mit den Jungs Fußball und ich beschäftige bis zu 25Mädels.

Mittwochs: morgens das übliche Programm, Nachmittags Sport mit der P5 und der P6, da sind wir etwas weniger Mädels und wenn die Lust haben, möchte ich bald ein regelmäßiges Volleyballtraining aufbauen (danke Nicola!!)

Donnerstags: Morgens Kindergarten, nachmittags frei

Freitags: Morgens Kindergarten, nach dem Mittagessen fahren wir dann zu Stephen nach Kampala (2,5 h, wenn wir gut durchkommen). Oft setzen wir uns auf dem Weg noch ins Cafe „Javas“, wo es guten Cappuccino und schnelles Internet gibt.

Samstags und Sonntags: „Ausschlafen“ bis um 9, mit Pio und Cinny spielen, waschen und nach dem Mittagessen fahren wir nach Kampala und lassen die Seele ein bisschen in unseren Lieblingscafes baumeln.
 

02.November.2013

Diese Woche haben wir neuen Besuch aus Deutschland gekommen; seit Mittwoch ist Lara wieder zurück in Uganda nach ihrem 3-monatigen Besuch letztes Jahr im Herbst. Morgen, also am Sonntag fahren wir mit Lara, Stephen, Anett, Robert und William in den Norden Ugandas, wo die Sonnenfinsternis ganz besonders gut zu sehen sein soll, sodass sogar der Präsident kommt. Ich bin echt mal gespannt, wie das wird und ob sich die 10 Stunden, die wir dann insgesamt im Auto sitzen sich lohnen.
Am Dienstag war an der Schule ein Academic Day, also ein Gottesdienst für die ältesten Schüler, die am kommenden Montag und Dienstag ihre Abschlussexamen schreiben. Eingeladen waren auch Eltern und das Managementkomitee der Schule. Es gab supergutes Essen und alle Erwachsenen haben in unserem kleinen Wohnzimmer gegessen.
Seit Mittwoch haben wir jetzt außerdem eine neue Lehrerin im Kindergarten, die in der Babyclass unterrichtet. Das hat den Nachteil für mich, dass in jeder Klasse jetzt dauerhaft ein Lehrer zur Verfügung steht, also habe ich weniger Arbeit. Außerdem ist es unfair, dass die neue Lehrerin keine 10 Minuten brauchte, um sich das Gehör der Kinder zu verschaffen. Ich muss jetzt meine Rolle im Kindergarten erst einmal neu finden, aber vielleicht ist die neue Lehrerin ja auch ein Glückstreffer, weil ich jetzt die Möglichkeit habe viel individueller mit den Kindern zu arbeiten. Wir werden sehen was die nächsten Wochen bringen. (Schule haben wir übrigens nur bis zum 29.November, also man kann die Tage schon runterzählen. Im Dezember haben wir eine kleine Rundreise für 9 Tage geplant und anschließend machen wir dann Urlaub auf Zanzibar, um Silvester am Strand zu feiern, jippie!)

Zu euren Fragen:

Was macht William, was macht Stephen?
William ist der Administrator der Schule und „das Mädchen für alles“. Er lebt in einer der Lehrerwohnungen, ist also eigentlich dauerhaft in der Schule und hat ein echt gutes Verhältnis zu den Kindern. William hält sowohl den Garten in Schuss, macht Besorgungen für die Schule, wenn welche anfallen und ist auch viel in der community unterwegs, sodass er genau weiß, welches Kind in welcher Familie unter welchen Umständen aufgewachsen ist (na ja meistens ;)).
Stephen ist der Projektleiter von ugandischer Seite aus, also der Partner von Andre. Er kümmert sich um alles Organisatorische, also um Finanzen, die Auswahl der Kinder, neuere Entwicklungen an der Schule und interne Projekte (zB. Schlafsaal).

Was machen die Kinder, wenn sie aus der Schule raus sind? Haben sie eine Chance auf eine Ausbildung?
Die Schule die wir in Nakaseke haben ist nur eine Primary School, das heißt im besten Fall gehen die Kids, wenn sie ihre Examen bestehen und die Sponsoren die Kosten weiterhin tragen auf eine Secondary School in anderen Städten.
Ich weiß nicht ganz genau, wie es danach für die Kids weitergeht, aber die Jobchancen in Uganda sind sehr schwierig, vor allem wenn man nicht studiert hat.

Was treibt ihr in eurer Freizeit noch so außer euch zu verfahren?
Insgesamt haben wir an der Schule nicht besonders viel Freizeit, weil man neben den schulischen Pflichten auch waschen muss und versucht das Haus ein bisschen sauber zu halten. Ansonsten lesen und rätseln wir, abends gucken wir uns gerne einen Film an. Max lernt grade spanisch und 10-Finger-schreiben (ich bin da weniger motiviert, muss ich zugeben).

Wie reagieren die Leute so auf euch? Wird man da irgendwie aufgrund der Hautfarbe fremd oder anders aufgenommen?
Also man kann schon sagen, dass wir immer noch als anders und fremd wahrgenommen werden und als Weiße fällt man auf den Straßen in Kampala (an der Schule noch mehr) immer auf. Viele Leute sprechen dich an und fragen wie es dir geht und obwohl wir mittlerweile ein bisschen Erfahrung im Handeln von Preisen haben, werden wir nicht in der Lage sein, dieselben Preise zu zahlen wie ein Ugander selbst.


Sind die Leute wirklich viel lockerer drauf als hier?
Die Frage kann man so pauschal gar nicht beantworten, weil auf bestimmte Sachen viel mehr Wert gelegt wird als in Deutschland und andersherum.
Ein Beispiel: Alle Lehrer der Schule sind immer superschick mit Hemd und Anzughose (generell trägt man in Uganda viel Hemden, selbst wenn man „nur“ ein Bodabodafahrer ist). Auf die Kleidung wird also viel Wert gelegt, wobei es dann kein Problem für die Lehrer und auch nicht für den Schulleiter ist mit den Kids und Max zu bolzen und sich dabei regelmäßig umzunieten. (Oft wird auch einfach im schicken Hemd gespielt.)
Was die Arbeitshaltung angeht kann man schon sagen, dass die Ugander lockerer drauf sind; Robert meinte er hätte erst in Deutschland gesehen, was es heißt richtig zu arbeiten, was die Ugander natürlich nicht davon abhält sich ständig als hart arbeitend zu bezeichnen.
Die Kindererziehung finde ich im Gegensatz dazu viel weniger locker und sehr streng.

Was war das schönste oder lustigste was ein Kind bisher zu dir gesagt hat?
Da die Kinder aus der Babyclass meistens Luganda mit mir sprechen, versteh ich nichts von dem, was sie mir sagen und kann nicht beurteilen, ob es lustig ist.
Witzig war, als Hassan (ein Junge aus der Topclass) zu mir gesagt hat ich müsste mir jetzt neue Schuhe kaufen, weil meine dreckig sind.
Lustig ist aber auch, wenn man in Kampala beobachtet, welche second hand T-shirts getragen werden, auf den manchmal die kuriosesten Sachen stehen. Gestern haben wir einen 30-Jährigen gesehen, der super selbstbewusst ein „Wilder Kerle“ T-Shirt getragen hat.

Wie schmeckt das Essen, jetzt nach ich glaub 3 Monaten Erfahrung?
Also das Essen schmeckt mir ganz gut, aber es ist etwas eintönig und ich mir etwas mehr Gemüse wünschen. Die Früchte dagegen sind aber der absolute Knaller!

Was beeindruckt dich am meisten? Was vermisst du am meisten?
Mich beeindruckt wie gut man doch ohne den deutschen Luxus zurecht kommt und wie schnell man sich an Situationen gewöhnt, die in Deutschland unvorstellbar zu sein scheinen. Mich beeindruckt wie geduldig die Ugander mit manchen Situationen umgehen können, ohne völlig die Fassung zu verlieren.
Ich vermisse meine Freundinnen von zu Hause und Mama, die gemütlichen Abenden auf dem Sofa zum Quatschen und Blödsinn machen. Ich vermisse mein eigenes Bett und die vertrauten Gerüche. Ich vermisse Mamas Küche und (wie befürchtet) die warme Dusche ;)

Ganz liebe Grüße Meike

 

3. Mail

 

Danke für eure netten Antworten. Ich antworte zwar nicht immer, freu mich aber trotzdem, wenn ihr mir erzählt, was bei euch los ist!

So damit ihr nicht immer nur meine langen Texte lesen müsst, hier mal ein paar Fotos:

 

           

Max und Pio in Entebbe am Viktoriasee. Pio nennt uns                          Pio, das Jüngste von Stephens Kindern, ein absolutes
manchmal Mamalöwe und Papalöwe, weil er das Löwenkind ist             Energiebündel

 

           

Robert ist der Tanzlehrer der Schule. Im Moment arbeitet er              Unsere nächtlichen Besucher (nur ein Spaß, bei uns im Haus habe
mit Kindern einer anderen Schule zusammen und fährt im                  ich so eine große Spinne noch nicht gesehen)
Dezember mit ihnen für 3 Monate nach Amerika. Wenn er am
Wochenende Zeit hat, gehen wir oft mit ihm nach Kampala

 

Liebe Grüße!

 

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